Freitag, 5. Juni 2009

Geburtstage sind das weltgrößte Übel [GESELLSCHAFT]

Okay, nun werden einige wieder beschwichtigen und an AIDS, Volksmusik, Krebs und Jan Pommer erinnern. Zu Recht! Aber nichts davon hat eine derart geringe Daseinsberechtigung, wie dieses alljährlich stattfindende Kollektiveierlecken!

Mir geht’s dabei ausschließlich um die verlogenen und heuchlerischen Feierlichkeiten. Das Altern an sich ist nochmals eine ganz andere Kiste und verdient es, mit Pinzette und Skalpell unter die Lupe genommen zu werden. Für „DingDong – Schön, dass ihr es auch geschafft habt – Herzlichen Glückwunsch – Ein Stück Kuchen? – BlablablaneueNachbarn – Hast du eigentlich abgenommen? – Nein, aber er da zu genommen! – Wann gehen wir? – Es gibt noch Abendessen… - Wo ist die vegetarische Alternative? – BlablablablaneueKrankheit – Wir machen uns dann mal. – Ach, schon?“ habe ich nur den Vorschlaghammer übrig. Es ist ja noch in Resten akzeptabel, wenn eine nahestehende Person diesen Irrsinn zelebriert und die Krankheiten, Nachbarn und zum Teil noch schwerwiegenderen Probleme etwas in mir auslösen. Etwa Anteilnahme, Interesse oder Hilfsbereitschaft. Fakt ist aber, dass ich z.B. auf Geburtstagen von Kaddas Verwandten (und hier feiert wirklich jeder drittklassige Cousin jeden kleinen Furz) teilweise ganze Tischkonstellationen noch nie gesehen habe. Ja, danke für das Essen, okay, der Speck auf Bohnen und Möhren hätte jetzt nicht sein müssen, aber sonst? Da ist keine innere Verbindung.

Und weil alles so steril ist, ist es auch wesentlich komplizierter, sich der Feierlichkeiten zu entsagen. Jedes Fernbleiben ist da ein offener Affront. In meiner eigenen Familie wird da einfach drüber hinweggesehen. MAN KENNT SICH JA! Ich hoffe, dieser geballte Irrsinn ließ sich halbwegs transferieren. Grund: die letzten drei Wochen war jedes Wochenende eine Feier und so wird es die nächsten vier nochmals weitergehen. Das ist leider kein Witz. Was soll das?

Zum Schluss möchte ich noch Burger grüßen, der mich von Dienstag- auf Mittwochnacht an einem großartigen Text partizipieren ließ. Titel: „Kapitalismus: Muss unsere Wirtschaft wirklich wachsen?“ Der Text ist recht lang, aber dafür sehr kurzweilig und kaum von Wirtschaftsterminologie durchtränkt. Ein Muss für jeden, der sich fragt, ob dieses krankende System, welches wir unser Eigen nennen, wirklich unausweichlich oder Gott gegeben ist und an welchen Stellen Veränderungen gut täten.

http://www.zeit.de/2009/22/DOS-Wachstum?page=1

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen